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Deutscher Medienpreis

Baden-Baden, 23 January 2015

"How lovely it would be if Germany could one day also be the world champion
of a peaceful and friendly coexistence of different cultures and religions"

The German Media Prize has been awarded each year since 1992 to individuals for their contribution to society or politics. The award is presented by the Baden-Baden market research company Media Control. The jury comprises the chief editors of the largest-circulation daily newspapers and magazines.

To understand the prestige of the prize, you only have to look back at previous winners, who include Nelson Mandela, the Dalai Lama, Kofi Annan, Francois Mitterand, Bill Clinton and several members of European royalty, in addition to icons such as Sir Richard Branson and Bono.

The only other sporting winners have been Andre Agassi and Steffi Graf, joint winners in 2007, which appears to mean Jogi is the first from the world of sport to win the prize individually.

The Deutscher Medienpreis website said:
"His leadership style and his philosophy on the field have made the national team an outstanding ambassador for a modern, cosmopolitan and likeable Germany worldwide."

The whole ceremony can be watched via this video from deutscher-medienpreis.de or alternatively you can jump straight to Jogi's moving acceptance speech.



Joachim Löw's Acceptance Speech

"Lieber Karlheinz, liebe Dagmar, lieber Minister mit der Nr. 16, lieber Mike, liebe Jury,meine sehr geehrten Damen und Herren,

zunächst einmal vielen vielen herzlichen Dank für die lobenden, respektvollen, anerkennenden Worte und natürlich auch für diesen tollen Film. Für mich ist das schon auch eine ganz besondere Auszeichnung heute, diesen Preis in Baden-Baden entgegenzunehmen. Die Liste der Preisträger ist imponierend und beeindruckend und umso mehr freu ich mich natürlich auch und bin sehr sehr stolz, dem Kreise dieser Persönlichkeiten heute auch anzugehören.

Nach der WM gab es sehr viele Einladungen und Ehrungen, über die ich mich sehr sehr gefreut habe, aber heute freue ich mich ganz besonders, weil dieser Preis für mich so ein bisschen über das Jahr 2014 hinausgeht und weil es auch die Arbeit vielleicht vieler Jahre bewertet. Und ich möchte nochmal betonen, dass dieser Preis heute für mich nicht ein Abschluss, sondern ein Ansporn ist. Weil wie sie alle wissen, bin ich ja noch weiterhin als Bundestrainer aktiv und habe mit meinem Trainerteam und mit unserer Mannschaft noch voller Elan viele Ziele vor Augen. Und deshalb sehe ich das heute als so ein positives Zwischenfazit auf einem Weg, der noch nicht zu Ende ist.

Unsere Mannschaft hat in Brasilien großartiges geleistet, unsere Mannschaft hat Zeichen gesetzt und wir haben uns belohnt für eine sehr sehr lange und sehr intensive Arbeit. Aber wir sind in Brasilien im Maracana nicht nur deswegen Weltmeister geworden, weil wir eine sehr gute Turnierleistung abgerufen haben, sondern wir sind auch Weltmeister geworden, weil die Basis und das System hinter der Nationalmannschaft in den letzten Jahren enorm - enorm optimiert worden ist. Und der DFB - allen voran Wolfgang Niersbach -die Liga, alle Trainer und alle Spieler, alle Vereine und natürlich auch alle Fans, die uns unterstützt haben, haben ihren Anteil daran. Und letzten Sommer sind wir alle gemeinsam Weltmeister geworden und ich glaube da können wir auch alle gemeinsam sehr sehr stolz darauf sein.

Jetzt werde ich natürlich auch häufig gefragt, wie habt ihr das hinbekommen mit der Mannschaft mit diesem ganz besonderen Spirit, um den uns die ganze Welt beneidet hat? Das war natürlich jetzt auch nicht eine Sache eines Trainingslagers, sondern das war natürlich auch ein langer, ein kontinuierlicher Prozess. Aber am Anfang dieses Prozesses stand eben auch eine klare Idee. Wir wussten schon, wo wir hinwollen und was wir dafür auch zu tun haben. Natürlich wollten wir eine Mannschaft, die um die Titel mitspielt und die wettbewerbsfähig ist. Aber wir wollten vor allen Dingen auch eine Mannschaft formen, die in der Art und Weise und in ihrer Außendarstellung, den Menschen und den Fans, und allen Fußballfreunden, viel viel Freude und viel Spaß bereitet. Und wir wollten Spieler, die sympathisch sind. Nicht dass sie mich jetzt falsch verstehen, wir wollten kein Kollektiv der Ja-Sager und der leicht lenkbaren und steuerbaren Spieler. Wir wollten ganz besondere Typen und eine maximale Vielfalt. Und wir wollten Spieler, die auch von ihrem Charakter zu unserer Philosophie und zu unseren eigenen definierten Werten passen.

Es wurde in den letzten Jahren auch viel geschrieben und viel gesprochen, dass die Nationalmannschaft ein Musterbeispiel für gelungene Integration ist, weil wir natürlich auch sehr viele Spieler mit unterschiedlichen Abstammungen, unterschiedlichen Wurzeln haben. Ganz ehrlich, uns hat das nicht interessiert, wo jemand herkam, welcher Religion er angehört. Uns war, ist und bleibt wichtig, ob der Spieler gut ist, und ob unsere Zuschauer sich auch mit ihm identifizieren können. In den letzten Monaten wurde auch viel über Integration und das Miteinander unterschiedlicher Kulturen, natürlich auch war ein wichtiges Thema bei uns in der Mannschaft und natürlich auch in der ganzen Welt ein wichtiges Thema. Und ich glaube schon, dass wir alle von dieser Mannschaft auch lernen können. Bei uns ist es so, dass der Mensch, der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht seine Herkunft. Und es gibt tolle Menschen, tolle Menschen und das sehen wir bei unserer Nationalmannschaft, diesem bunten Mix in allen Kulturen und in allen Religionen. Und alle können hervorragend miteinander auskommen, wenn sie sich gegenseitig respektieren und die ausgemachten Regeln eben auch einhalten. Und wenn wir da ein Beispiel dafür sind, dann freut uns das natürlich auch besonders. Uns war es auch immer sehr sehr wichtig, dass wir der Mannschaft gewisse Werte mitgeben und ihnen klarmachen, dass sie als Nationalspieler natürlich auch eine besondere Verantwortung haben, auf - und natürlich auch neben dem Platz. Und dass sie verstehen, wenn sie das Trikot der Nationalmannschat mit dem Bundesadler anziehen, dass sie eben auch eine Vorbildfunktion haben, für viele viele Millionen von jungen fußballspielenden Kindern und so weiter. Und dass sie eben auch als Mensch und natürlich als Sportler eine Vorbildfunktion haben.

Wir wissen natürlich auch, dass diese ganz hohen Erwartungen, die an uns gestellt werden, nicht immer so einfach zu erfüllen sind und dass wir auch Fehler machen, und unsere jungen Spieler Fehler machen. Aber ich glaube schon auch, dass unsere Mannschaft bei den Turnieren 2006, und dann vor allen Dingen auch auf den Kontinenten in Afrika, oder jetzt in Südamerika, sich schon auch als Mannschaft toll präsentiert hat, und wir alle schon auch stolz sein können, auf unsere fußballspielenden Außenminister, die sich vor den Augen der ganzen Welt eben auch Deutschland und unsere ganzen Bundesbürger wirklich auch hier würdig vertreten haben.

Also der Fußball hat schon eine große Bedeutung, natürlich auch über die Landesgrenzen hinaus.

1,3 Millarden Menschen haben dieses Spiel, dieses Endspiel live gesehen, haben gesehen, wie der Mario Götze dieses fantastische Tor geschossen hat. Und haben gesehen, wie der Philipp Lahm diesen Pokal in die Höhe gehalten hat. 35 Millionen Zuschauer haben dieses Spiel live gesehen in Deutschland - nicht eingerechnet diejenigen die beim Public Viewing oder auf den Fanmeilen waren. Das ist ein absoluter Rekord in der Geschichte des deutschen Fernsehens. 3 Millionen Trikots sind verkauft worden, innerhalb von wenigen Wochen. Und da geht es uns nicht um den materiellen Wert, sondern es ist schön zu sehen, dass die Menschen auch den Wunsch haben, sich mit einem Kauf dieses Trikots, sich auch mit unserer Mannschaft zu identifizieren. 7,5 Millionen habe Anfang Januar den Film in der ARD "Die Mannschaft" gesehen. Und 1 Million Zuschauer hat unseren Film im Kino gesehen, also das zeigt, was der Fußball, nicht nur bei uns, sondern generell für einen Stellenwert hat und welche Wichtigkeit er hat. Und natürlich auch welche Außendarstellung das auch bewirkt.

Auf der anderen Seite - und das sollten wir nicht vergessen - steht im krassen Gegensatz zu dem, was wir im letzten Jahr auch an Freude erlebt haben, natürlich auch viele Krisen in dieser Welt. Israel, Palästina im Dauerkonflikt, Bomben hüben wie drüben. Europa stand kurz vor einem Krieg, ausgelöst durch den Konflikt Russland/Ukraine und die Besetzung der Krim. 2012 haben wir noch mit der Nationalmannschaft in der Ukraine gespielt. Das Stadion von Donezk ist völlig zerstört und die Stadt in einem absoluten Kriegszustand. Im letzten Jahr wurden 270 unschuldige Menschen einer holländischen Passagiermaschine über der Ukraine abgeschossen.

Krieg in Syrien, 6 Millionen Menschen auf der Flucht. Ebola! Im letzten Jahr wurden 260 Kinder in Nigeria, Schulkinder in Nigeria entführt. Bis heute weiß niemand, wo sie sind.

Auch 2015 hat natürlich jetzt auch wieder mit einem Terroranschlag begonnen. In dem Land, in dem die nächste EM stattfindet, in Paris. Deren folgen wir alle, vielleicht noch gar nicht so richtig einschätzen könnend. Also auch davor, sollten wir die Augen nicht verschließen.

Der Fußball hat, und wir können und wollen, den Menschen mit unserem Fußball viel Freude und Spaß bereiten und viele positive Emotionen auslösen, aber wir sollten das bei der Nationalmannschaft und mit unseren Spielern und bei DFB nicht nur tun, auf dem Trainingsplatz oder auf dem Spielfeld, sondern wir sollten auch mit aller unserer &Uml;berzeugung eintreten, andere Werte und Ziele zu verfolgen - wie Integration, oder gegen Rassismus oder Antisemitismus, gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Auch wir beim DFB müssen mit unserer Popularität eben auch diese Werte und diese Ziele weiterhin verfolgen. Und wie schön, meine Damen und Herren, wie schön wäre es, wenn auch Deutschland irgendwann Weltmeister des friedlichen, freundlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlicher Religionen wäre.

Und deshalb ist dieser Preis für mich ein Ansporn mit dem DFB und mit unserem Team und mit unserer Mannschaft, weiter an diesen Zielen und an diesen Werten zu arbeiten und das weiterhin zu verfolgen.

Vielen Dank!"


Jogi speaks after the event on tv.dfb.de, and is seen arriving on this video from SWR

"Fußball spielende Außenminister" - an account from sport1.de

Löws bewegende Rede gegen den Hass in der Welt - 25 January 2015
Jogi's acceptance speech came in for universal praise with Stern describing it as "required reading" for those who preach anti-tolerance and rp-online saying he "highlighted the political and social responsibility of its professionals in a remarkable speech".

Bê singt für Jogi Löw - 27 January 2015


While in Baden-Baden, Jogi was asked to sign the Golden Book of the town, from baden-baden.de


Another award beckons for Jogi as he will be presented with the "Deutschen Medienpreis" on 23 January 2015 in Baden-Baden.
Jogi Löw bekommt den Deutschen Medienpreis
Stern speaks of the "modern, open-minded and likeable" Jogi showing the World the positive side of a "cosmopolitan and friendly" Germany.
Joachim Löw erhält "Deutschen Medienpreis" - 30 October 2014

Full details on Deutscher Medienpreis website

Last updated 1 February 2015
Thanks to everyone for their contributions. I could not do this without you!
I am especially indebted to Silke for the transcript of Jogi's speech. Thanks also to Lucille, Susanne, Elfriede, Jhelum and Delmy
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